Was ist besser – Bewegungsübungen oder Knieoperation bei Knieproblemen?

Die Antwort lautet im Allgemeinen: Operation, denn der Glaube an die Chirurgie und deren Möglichkeiten ist nach wie vor ungebrochen. Dennoch: Wie es aussieht, trügt der medizinische Schein. Denn es hat sich herausgestellt, dass Bewegungsübungen genauso effektiv sind wie eine Operation für Leute mit chronischen Schmerzen im Vorderteil des Knies. Dieses Leiden ist bekannt unter dem Namen „patellofemorales Schmerz Syndrom“ oder PFPS.


PFPS wird zumeist mittels arthroskopischer Chirurgie behandelt. Dazu werden kleine Öffnungen ins Knie geschnitten, durch die ein Arthroskop, vergleichbar mit einem Endoskop, ins Knie geschoben wird. Mit Hilfe dieses Arthroskops ist der Chirurg in der Lage, das Knie von innen zu inspizieren, eine Diagnose zu stellen und vor Ort notwendige Eingriffe zu tätigen. Dies klingt gut, jedoch gibt es kaum stichhaltige Beweise, dass ein solcher Eingriff auch die beste Option ist.

Eine Studie aus dem Jahr 2007, durchgeführt von Wissenschaftlern des ORTON Research Instituts in Helsinki, Finnland, verglich den arthroskopischen Eingriff mit Bewegungsübungen bei 56 Patienten mit PFPS. Die finnischen Forscher initiierten diese Studie, da sie der Meinung waren, dass die Vorteile eines chirurgischen Eingriffs nicht belegt seien.

In der Studie wurden 56 Patienten mit PFPS zufallsmäßig in zwei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe mit Arthroskopie und einem 8-wöchigem Bewegungstraining zu Hause (28 Patienten) und eine Gruppe (28 Patienten) nur mit Bewegungsübungen. Als Resultat stellten die Forscher fest, dass in beiden Gruppen deutliche Verbesserungen eintraten. Allerdings waren die Verbesserungen in den beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich.

Die einzige Signifikanz, die im Rahmen dieser Studie festgestellt werden konnte, waren Unterschiede in den Behandlungskosten. Die Behandlung der Arthroskopie-Gruppe war 901 Euro teurer als die der Referenz-Gruppe. Die Forscher kamen somit zu dem Schluss, dass ein chirurgischer Eingriff und Bewegungsübungen bei PFPS ähnlich wirksam ist wie Bewegungsübungen ohne Chirurgie (Link zur Studie).

Damit liegt auch der Schluss nahe, dass die positiven Effekte in der Arthroskopie-Gruppe möglicherweise nicht auf den chirurgischen Eingriff, sondern auf die sich anschließenden Bewegungsübungen zu Hause zurückzuführen sind. Wenn dem so wäre, dann wäre der chirurgische Eingriff nichts als ein superteures Plazebo.

Genau dieser Frage gingen Forscher des Baylor Colleges in Texas, USA, nach. Sie verglichen operative Eingriffe und Scheineingriffe bei 180 Patienten, die an Osteoarthritis des Knies litten (Link zur Studie). Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich über 2 Jahre. Innerhalb dieser 2 Jahre gab es keine bemerkenswerten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in der Bewertung von Schmerzen, Kniebeweglichkeit und –funktionalität. Die Forscher aus Texas schlossen aus ihren Beobachtungen, dass ein arthroskopischer Eingriff ins Knie keine besseren Resultate zeitigte als eine Scheinoperation.

Diese beiden Studien geben somit deutliche Hinweise, dass chirurgische Verfahren, auch wenn sie von der Schulmedizin als erprobt, sicher und effizient gelobt werden, nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein scheinen.

René Gräber

René Gräber

René Gräber - Sportpädagoge, Sportphysiotherapeut und Fitnesscoach mit eigener Praxis. Du findest mich unter anderem auch auf Google+, facebook, Xing oder Twitter. Ich berichte regelmäßig zu den Themen Fitness, Gesundheit, Medizin und natürlich auch zum Thema Trainings- und Bewegungslehre. Wenn Dich das interessiert, darfst Du gerne meinen persönlichen und kostenlosen Newsletter dazu anfordern... (siehe Box oben)

4 Kommentare Kommentar hinzufügen

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    Yvonne Kuefer

    27. Januar 2017 um 10:24

    Um die Frage zu beantworten, kommt es ganz auf das Knieproblem an. Bei Knieschmerzen würde ich mich immer erst an einen Arzt wenden oder Physiotherapie, um das Problem zu ermitteln. Viele Grüße

  2. Avatar

    Vor über 10 Jahren wurde bei mir wegen Schmerzen im Knie ein MRT gemacht. – Riss im Meniskus – Empfehlung: Operation. Das kam für mich nicht in Frage und mein Yogalehrer empfahl mir die Muskeln um die Knie zu stärken und das habe ich vermehrt gemacht, es gibt dazu einige einfache Yogaübungen. Es war kein exzessives Training, einfach nur den Fokus vermehrt auf diese Übungen gelenkt. Nach zwei Monaten wusste ich gar nicht mehr um welches Knie es sich gehandelt hat und das ist bis heute so geblieben.
    Da OPs immer ein „einschneidenes“ Erlebnis sind, ich weiß von was ich spreche und nicht nur der Körper sondern immer auch der “ Energiekörper“ verletzt wird, sollte nur operiert werden, wenn es wirklich keine Alternativen gibt. Doch die gibt es häufig, aber dazu muss man „das Menschsein“ ansich in einem weiteren Rahmen betrachten, als es die „Schulmedizin“ vermag.

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    Ich habe dem nächst eine Meniskus Op…seid 4 Tagen keine Schmerzen mehr , brauch die Op glaube nicht mehr.

    Bin seid 6 Wochen zu Hause eine Op wurde verschoben,habe mein Bein viel bewegt gezielte Übungen und nun weg , kein Schmerz mehr , was soll ich jetzt machen , zumal mein Chef weiß das ich Operiert werde , wenn ich Ihm jetzt sage brauche keine Op mehr , wie stehe ich den dann da?

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